Interview mit dem Präsidenten der Wasserrettung Südtirol

Die Wasserrettung Südtirol besteht nun seit dem Jahr 1992 und kann bereits jetzt auf bewegte Jahre zurückblicken. Mit dem Präsidenten des Landesverbandes, Franz Niederkofler, haben wir folgendes Gespräch geführt.

 

Frage: Herr Niederkofler, Sie sind Präsident des Landesverbandes für Wasserrettung Südtirol. Stellen Sie uns bitte diese Organsiation und deren Aufgaben vor.

Der Landesverband für Wasserrettung Südtirol ist die Dachorganisation von 4 Wasserrettungsgruppen. Rettungsgruppen bestehen zur Zeit in Bozen, Meran, Brixen und Bruneck. Insgesamt stehen mehr als 50 Einsatztaucher für Einsätze in stehenden und fließenden Gewässern zur Verfügung. Aufgabe des Verbandes ist, die Ausbildung und Ausrüstung der einzelnen Gruppen zu koordinieren und die Kontakte mit den Behörden und anderen Rettungsorganisationen zu pflegen.

 

Frage: Wie werden in Südtirol Taucher ausgebildet ?

Die verschiedenen Tauchsportvereine in Südtirol sind nationalen Verbänden angeschlossen. Diese Verbände haben Ausbildungsrichtlinien, welche international anerkannt sind. Die bei den Vereinen tätigen Tauchlehrer sind somit berechtigt, Kurse durchzuführen und Prüfungen zur Erlangung des Tauchscheines abzunehmen. Die Ausbildung zur Erlangung des Basistauchscheines erfolgt in mehrmonatigen Kursen, welche sowohl theoretische als auch praktische Ausbildung umfassen. Für die Einsatztaucher der Wasserrettung Südtirol bestehen Mindestanforderunen für die Aufnahme als Rettungstaucher.

 

Frage: Wie wird man Rettungstaucher ?

Voraussetzung ist eine solide Ausbildung als Taucher. Weiters müssen innerhalb eines Jahres wenigstens 10 – 15 Tauchgänge unternommen werden, wobei unter Einsatzbedingungen getaucht werden soll. Für unser Gebiet bedeutet das, dass Tauchgänge in kaltem Wasser (vorwiegend unter 10° C) und bei schlechten Sichtverhältnissen (oft weniger als 1 Meter Sicht) durchgeführt werden. Die Weiterbildung der Taucher erfolgt bei Einsatzübungen, welche oft in Zusammenarbeit mit den Feuerwehren durchgeführt werden. Weiters unterhalten wir ausgezeichnete Beziehungen zur Feuerwehr- und Zivilschutzschule in Lebring bei Graz (Österreich), welche über ein eigenes Ausbildungszentrum für Taucher verfügt. Grundvoraussetzung ist allerdings die Begeisterung und die Bereitschaft, diesen Dienst zu versehen.

 

Frage: In Südtirol erkennt der Laie keinen Bedarf an Einsatztauchern. Können Sie uns einige Einsatzbeispiele nennen?

Jedem ist sicherlich noch das Busunglück auf der Gadertalerstraße im Juli 1993 in bester Erinnerung, wo wir bei der Bergung und Suche der Verletzten und Toten mitgewirkt haben. Es sind jedoch auch Einsätze rein technischer Natur zu bewältigen, wie z.B. der Austausch eines Rührwerkes in der Kläranlage in St.Lorenzen oder die Bergung des Pistengerätes aus dem Antholzer See. Immer wieder kommt es vor, dass Tote in Flüssen und Seen gesucht und geborgen werden müssen. In Zukunft erwarten wir uns vermehrt Einsätze im Rahmen des Umweltschutzes. Die Anzahl der Einsätze der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Wasserrettung Südtirol als spezielle Einsatzgruppe durchaus ihre Berechtigung hat.

 

Frage: Die Ausrüstung des Sporttauchers ist vielen bekannt. Welche spezielle Ausrüstung wird von Einsatztauchern verwendet?

Im Prinzip unterscheidet sich die Ausrüstung kaum. In beiden Fällen werden für die Arbeit unter Wasser Presslufttauchgeräte verwendet. Um in unseren kalten Gewässern für längere Zeit unter Wasser bleiben zu können, werden so genannte Trockentauchanzüge verwendet. Diese lassen kein Wasser zum Körper kommen und somit kühlt der Körper langsamer aus, damit verlängert sich die Einsatzzeit. Ein Großteil der Einsatztaucher verfügt über diese Anzüge. Verwendet werden weiters Spezialausrüstungen, je nach Einsatzart. Dazu gehören Vollgesichtsmasken mit Unterwasser-Sprechanlage, Bergeballons mit einer Hebeleistung bis zu 1000 kg, UW-Videokamera, UW-Metalldetektoren, Trennschneidegeräte für Metall, usw. In Zukunft werden sich die einzelnen Gruppen auf bestimmte Spezialgebiete konzentrieren da es unmöglich ist, für alle Gruppen die diversen Geräte anzuschaffen.

 

Frage: Sie sprechen von Anschaffungen; wie finanziert sich die Wasserrettung Südtirol?

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Zivilschutz wird ein Anschaffungsprogramm erstellt. Für Anschaffungen erhalten wir Finanzmittel aus dem Landeshaushalt über das Amt für Zivilschutz. Die damit angeschafften Ausrüstungen werden den einzelnen Gruppen übergeben. Um die anfallenden Kosten zu bestreiten, wurde mit dem Land Südtirol eine Konvention zur Durchführung des Dienstes abgeschlossen. Diese Konvention sieht die Bereitstellung von Geldern zur Finanzierung der Tätigkeit vor. Weiters finanzieren die einzelnen Gruppen finanzieren ihre Tätigkeit durch die Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erlöse aus Veranstaltungen.

 

Frage: Für den Leser ist es sicher interessant zu wissen, wie man in einem Notfall oder bei technischer Hilfeleistung die Wasserrettung anfordern kann. An wen wendet man sich ?

Bei Notfällen erfolgt die Alarmierung über die Landesnotrufzentrale Rufnummer 118. Diese leitet dann den Notruf an die im Einsatzgebiet tätige Gruppe weiter. Die Aufgabengebiete für die einzelnen Gruppen sind mit den Feuerwehrbezirken identisch. Die Gruppe Meran ist für den gesamten Vinschgau und das Burggrafenamt zuständig, die Gruppe Bozen für das Unterland, Überetsch und Bozen, die Gruppe Brixen für das Eisacktal und die Gruppe Bruneck für das gesamte Pustertal. Die einzelnen Einsatztaucher werden mittels SMS alarmiert. Sollt technische Hilfe nötig sein, so kann man sich ebenso an die Landesnotrufzentrale oder an das Amt für Zivilschutz wenden.

 

Frage: Immer beliebter wird es, in Gebirgsseen zu schwimmen. Wie stehen Sie dazu und was sollte der Badende beachten?

Ein Gebirgssee (dazu zählen fast alle Südtiroler Seen) ist kein Schwimmbad, wo man unter Aufsicht eines Bademeisters schwimmt. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. Kaltern) besteht kein regulärer Badebetrieb. Der Badende ist vollkommen auf sich allein gestellt. Auf keinen Fall sollten Anfänger oder unsichere Schwimmer ein Bad im Gebirgssee nehmen, da der Boden des Sees (auch in Ufernähe) meist nicht bekannt ist und man schnell in Untiefen geraten kann. Zudem wird der See durch die Sonne nur an der Oberfläche aufgewärmt. Die Temperatur an der Oberfläche übersteigt dabei selten die 15°C –Marke. Bereits knapp unter der Oberfläche sind dann die Temperaturen wesentlich niedriger. Bei diesen äußeren Bedingungen kann dann vermehrt Herzstillstand, Wadenkrampf oder Unterkühlung auftreten. Bei den ersten Anzeichen kommt dann noch die Panik dazu und dann ist das Unglück schon passiert. Ein Verunglückter muss innerhalb weniger Minuten geborgen sein. Weiters müssen alle notwendigen Maßnahmen zur Wiederbelebung (Herzmassage, künstliche Beatmung) durchgeführt werden, denn sonst ist die Überlebenschance gering. Ein Vorschlag für überhitzte Wanderer und Bergsteiger: Füße und Arme abkühlen, jedoch auf ein Vollbad verzichten.

 

Frage: Als Taucher üben Sie ihren Sport auch in einheimischen Gewässern aus. Wie steht es mit der Belastung der Seen durch die Ausübung ihres Sportes ?

Die Verbundenheit mit der Natur und die sportliche Betätigung in einem Element, das nicht für den Menschen gemacht ist, machen einen Reiz dieses Sportes aus. Als Sporttaucher sind wir bestrebt, keinen Einfluss auf die Natur zu nehmen. Es sollte für jeden Sportler selbstverständlich sein, keinen Müll wegzuwerfen und auch die Lärmbelästigung in Grenzen zu halten. Bei unseren Tauchgängen haben wir schon die verschiedensten Dinge gesehen, die Personen einfach in den See geworfen haben. Man kann Unachtsamkeit noch verstehen, jedoch kein Verständnis dafür aufbringen, wenn leere Öldosen im See entsorgt werden. Taucher belasten Gewässer nicht, wenn sie sich an einfache und leicht zu befolgende Regeln halten. Gewöhnlich werden diese eingehalten und besonders in der Ausbildung wird immer wieder auf die Erhaltung der Natur hingewiesen, weiters werden von den verschiedenen Tauchsportvereinen in regelmäßigen Abständen Seereinigungen durchgeführt, wo ein beachtlicher Haufen an Müll aus unseren Seen an Land gebracht wird.

Herr Niederkofler, wir danken für das Gespräch.